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Der Kreistag wertet Böckstiegel ab

26.02.2014

   

25.02.2014

Kommentar zum Beschluss des Kreistages über das Böckstiegelmuseum

Was würde wohl Peter August Böckstiegel sagen, wenn er wüsste, wie der Kreis Gütersloh jetzt mit seinem Werk umgesprungen ist? Solange es nur um Worte geht, klingt es, als habe man es mit einem Künstler zu tun, der Vincent van Gogh und Emil Nolde ebenbürtig ist. Bei den Taten aber hat man den Eindruck, dass Böckstiegel dort nur für einen drittklassigen Wald- und Wiesenmaler gehalten wird.

Seit 2007 war es still geworden um die Pläne, für seine Werke ein Museum zu errichten. Erst der Vorschlag, das Museum im Hof Overbeck zu errichten, scheuchte den Kreis Gütersloh auf. Nachdem es dem Landrat nicht gelungen war, durch hektische Telefonate die Veröffentlichung entsprechender Vorschläge und Entwürfe zu verhindern, hat der Kreis nunmehr Eile, sich erneut auf einen sogenannten "Ergänzungsbau" in der Nachbarschaft des Wohnhauses von Böckstiegel in Arrode festzulegen.

Der Hof Overbeck hätte der Böckstiegel-Stiftung die einmalige Chance geboten, das Werk des Künstlers öffentlich und angemessen zu präsentieren: Ein klassizistischer Gebäude mit hohen Wänden, sichtbar über einer viel befahrenen Landstraße gelegen und trotzdem stadtkernnah, von Bielefeld und Gütersloh leicht erreichbar, mit der Ravensberger Landschaft im Hintergrund. Aber für diese Chance war ihnen Böckstiegel nicht gut genug.

Hätten das Kuratorium der Böckstiegelstiftung und der Kreis sich ehrlich gemacht und nüchtern festgestellt, dass sie für das Museum die erforderlichen finanziellen Mittel nicht aufwenden können oder wollen, so hätte man das hinnehmen müssen. Unglaubwürdig hingegen ist das Argument, die Arbeiten des Künstlers bildeten zusammen mit seinem Wohnhaus in Arrode ein "Gesamtkunstwerk", so dass sie nur dort angemessen präsentiert werden könnten. Dieses Argument ist vorgeschoben, weil es vor allem dem Zweck dient, kurzfristig nicht handeln zu müssen und wieder zu der bisherigen Politik des jahrelangen Vertagens zurückkehren zu können.

Zudem widerlegt der Plan eines Museumsgebäudes in Arrode die wortreichen Erklärungen, man wäre von der überragenden Qualität der Werke von Böckstiegel überzeugt und wolle diese daher bestmöglichst öffentlich präsentieren. Vielmehr gewinnt man den Eindruck, dass der Kreis sie verschämt an einem unzugänglichen Ort verstecken möchte. Böckstiegel brauchte zwar die Abgeschiedenheit in Arrode für sein Schaffen, aber sein Werke wollte er dort nicht verstauben lassen, sondern sie in das Blickfeld vieler Menschen rücken – was ihm bekanntlich spätestens während seiner Dresdener Zeit auch gelungen war. Der Kreis und das Kuratorium sind aber offensichtlich stärker beeindruckt von der abgelegenen Idylle des Wohnhauses des Künstlers als von der Qualität seiner Arbeiten.

Wenn man die idyllische Lage in Arrode wirklich schätzen würde und der Nachwelt unbeschädigt bewahren wollte, so käme man nicht auf den Gedanken, neben das Böckstiegel-Haus einen Neubau von mehrfacher Größe zu setzen, denn dadurch würde "die besondere Atmosphäre des Ortes zerstört", wie schon 2007 der Verfasser der Machbarkeitsstudie warnend hervorgehoben hatte.

Aber gedankenlos geht der Kreis über die Vorgabe im Erbschaftsvertrag hinweg, dass, falls ein Museum im Weichbild des Böckstiegel-Hauses errichtet werden sollte, "dieser Bau dann an den Stil des Hauses angepasst sein muss". Da darf man wirklich gespannt sein, welchem Architekten es gelingen sollte, mit einem modernen Gebäude den Stil eines vielfach umgebauten Heuerlingskottens zu kopieren.

Auch die Mitteilung des Landrates, "dass der Eigentümer des Hofes Overbeck diesen nicht mehr für ein Museum zur Verfügung stellen wolle", ist nichts weiter als eine fadenscheinige Ausflucht. Als wenn der Landrat nicht wüsste, dass mit dem Eigentümer bereits ein Vorvertrag geschlossen worden ist, wonach die Fläche des Hofes nach dessen Abbruch an die Stadt Werther verkauft werden soll. Und wenn die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes vom Landrat mit der Aussage zitiert wird, "dass ein Museumsbau an einem anderen Ort als dem Böckstiegel-Haus im Ortsteil Arrode eindeutig nicht förderwürdig sei", so wäre das gewiss nicht das letzte Wort, wenn sich Kreis und Kuratorium darin nicht bestätigt fühlen würden.

Denn schon allein aus wirtschaftlichen Gründen wäre ein Museum in Arrode ein Fiasko. Wechselausstellungen und museumspädagogische Maßnahmen würden an diesem Ort nicht die Beachtung finden, die unerlässlich ist, um eine hohe Besucherzahl und die daraus resultierenden Einnahmen zu erreichen.

Geradezu sprachlos macht die jüngste Erklärung des Kreises, man wolle sich nicht von RWE-Aktien trennen, weil man von der RWE-Stiftung eine großzügige Spende zugunsten des Böckstiegel-Museums erwarte. Und übersieht dabei geflissentlich, dass der Landrat für seinen Sitz im Regionalrat Nord RWE, die natürlich in keinem Zusammenhang mit dem Aktienbesitz des Kreises steht, pro Jahr ganz persönlich eine bescheidene Vergütung von 7.400 Euro erhält.

Das einzig Reale an dieser irrealen Hoffnung auf einen Wohltäter ist das Eingeständnis, dass die Finanzierung eines Böckstiegel-Museums noch lange nicht gesichert ist. Das erklärt auch, warum man auf die Fragwürdigkeit des Standorts Arrode und auf das fehlende Museumskonzept weiter keinen Gedanken verschwendet. Es ist also trotz der aufwendigen Diskussion weiter alles offen. Wir geben daher unsere Hoffnung nicht auf, dass das Werk von Peter August Böckstiegel eines Tages so viel Wertschätzung erfahren wird, dass es ein ihm gerecht werdendes und wirtschaftlich tragfähiges Domizil bekommt.

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FDP verstrickt sich beim Umgang mit städtischen Mitteln in Widersprüche

08.02.2014
   

20.01.2014

Aus dem Haller Kreisblatt vom 18.01.2014:

"Zum Thema Hof Overbeck konstatierte Honsel, dass es abzuwarten bleibe, wie sich die Frage des Denkmalsschutzes entwickele. Da sich die Immobilie in Privatbesitz befinde, wollen die Freidemokraten auf keinen Fall, dass städtische Mittel für die Zukunft des Hofes eingesetzt werden, so der Vorsitzende. Auch die Zukunft des Weco-Geländes steht auf der FDPAgenda. Da auch in Privatbesitz, sei der Eigentümer für mögliche Altlasten verantwortlich. Außerdem plädiert die FDP für die Erhaltung als Gewerbegebiet."

Unser Kommentar:

Da baut die FDP Werther polemisch einen Popanz auf. Denn niemand hat bisher verlangt, „dass städtische Mittel für die Zukunft des Hofes Overbeck eingesetzt werden“. So wenig wie jemand bestritten hat, dass der Eigentümer des Weco-Geländes „für mögliche Altlasten verantwortlich“ ist.

Vielmehr ist es die FDP-Fraktion selbst, die mit leichter Hand dem Eigentümer des Hofes Overbeck 3,5 Millionen aus städtischen Mitteln, also von unseren Steuergeldern zahlen will. Hat sie jemals gefragt, wie diese Summe, die aus der Stadtkasse in die Schatulle eines Privatbesitzers fließen soll, eigentlich zustande gekommen ist?. Und hat sie jemals die Aufstellung einer Kosten-Nutzen-Rechnung (einschließlich der Infrastrukturfolgekosten) gefordert, aus der hervorgehen könnte, dass der städtische Haushalt mit dieser großzügigen Zahlung nicht früher oder später heillos in die Haushaltssicherung schliddert?

Während die FDP so tut, als achte sie darauf, dass keine städtischen Mittel für Privatbesitz aufgewendet werden, lässt sie sich auf finanzielle Abenteuer ein, bei denen bisher nur das eine gewiss ist, dass nämlich eine hohe Summe an Steuergeldern in Privatbesitz übergeht. Ein sorgfältiger Umgang mit öffentlichen Mitteln sieht jedenfalls anders aus.

Mit ihrer Weigerung, städtische Mittel für den Hof Overbeck und das Weco-Gelände auszugeben, kaschiert die FDP höchst notdürftig, dass ihr zu diesen beiden Objekten sonst nichts einfällt. Dabei handelt es sich in beiden Fällen um Objekte von hoher städtebaulicher Brisanz. Da geht es noch lange nicht um Geld, wohl aber um konstruktive Ideen, was aus ihnen werden könnte. Wir warten gespannt darauf, was die FDP dazu vorzuschlagen hat!

(Bitte beachten Sie zu dieser Thematik auch unseren Beitrag "Werther oder Posemuckel?")

 

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Werther oder Posemuckel?

02.02.2014

31.12.2013

Triumphierend haben die Bürgermeisterin von Werther und dann auch der Landrat festgestellt, dass der Eigentümer des Hofes Overbeck erklärt hat, dieser stände für ein Böckstiegel-Museum nicht zur Verfügung. Was für eine Heuchelei!

Denn der Eigentümer hat den Hof längst abgeschrieben und bereits einen Vorvertrag mit der Bürgermeisterin abgeschlossen, dass der gesamte Glände für 3,5 Millionen an die Stadt verkauft werden soll, nachdem der Hof vorher von ihm dem Erdboden gleichgemacht wurde. Ihm ist es doch völlig egal, was mit dem Hof geschieht. Es sind vielmehr die politisch Verantwortlichen der Stadt Werther, die über das Schicksal des Hofes glauben längst entschieden zu haben, und überhaupt nicht mehr der Eigentümer. Natürlich verkauft der lieber die gesamte Fläche "Blotenberg" für 3,5 Millionen, als dass er den Hof für ein Taschengeld abgibt und ansonsten noch nicht weiß, ob er vielleicht auf der übrigen Fläche sitzen bleiben wird. Und ebenso versteht es sich von selbst, dass die Stadt Werther dort kein Museum akzeptieren kann, wenn die 3,5 Millionen Euro erst einmal geflossen sind. Denn irgendwie müssen diese Gelder an die Stadtkasse zurückfließen. Das geht nur, wenn dort die geplanten Bürogebäude und Eigenheime errichtet werden. Es ist daher eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit, wenn sich die Bürgermeisterin von Werther und der Landrat des Kreises Gütersloh hinter dem Eigentümer des Hofes Overbeck zu verstecken versuchen.

Jahrzehntelang haben Wilhelm Overbeck und sein Sprecher Thomas Echterhoff uns Bürgerinnen und Bürgern zugemutet, in einer Stadt zu leben, deren Ortseingang von einem immer mehr vor sich hin rottenden Gebäude verschandelt wird. Nachdem wir uns für die Erhaltung und Renovierung des Hofes ausgesprochen hatten, wurden wir von den einen hämisch, von anderen skeptisch gefragt, wer das Gebäude denn nutzen soll. Auf diese Frage haben wir jetzt vorgeschlagen, dort das ohnehin geplante Böckstiegel-Museum einzurichten. Dieser Vorschlag richtet sich überhaupt nicht an Herrn Overbeck, sondern an die Bürgerinnen und Bürger von Werther, die bei der anstehenden Kommunalwahl ausnahmeweise auch mal ein Wörtchen mitzureden haben. Viele von ihnen haben uns während der Ausstellung anlässlich des Christkindl-Marktes erklärt, dass sie diese Idee für bestechend halten. Nur die politisch Verantwortlichen in Stadt und Kreis hat das in helle Aufregung versetzt.

Uns geht es letztlich nicht allein um einzelne, isolierte Objekte wie den Hof Overbeck oder das Baugebiet am blotenberg. Es geht um die Richtung, in die sich die Stadt Werther in den nächsten Jahren entwickeln wird. Die grundsätzliche Frage muss entschieden werden: Soll das, was Werther bisher noch unverwechselbar macht, erhalten, gepflegt und sensibel weiter entwickelt werden oder soll Werther zunehmend eine 08/15-Stadt werden, so dass es für seine Bewohner gleichgültig ist, ob sie hier oder in Posemuckel leben?

 

Bürgerinitiative Blotenberg e.V.  

 

 

 

 

info@blotenberg-werther.de

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